Mittwoch, 15. Juni 2016

Rezension zu "Grenzwandler - Wenn aus Lügen Wahrheit wird" von Lya Sanders

So viel zum Thema: man muss den/die ProtagonistenIn mögen, um ein Buch zu lesen. 
Die Autorin hat souverän gezeigt, dass man ihn auch herzlich hassen kann, um die Geschichte lesen zu wollen. 


Martin ist 14 und er hat es wirklich nicht leicht. Er ist etwas zu groß, etwas zu dick und wird gemobbt. Das hinterlässt seine Spuren, weit tiefere, als es zunächst den Anschein hat. 
Er träumt davon, DJ zu werden. Er will Massen in Clubs zum Tanzen bringen. Er sieht sie schon vor sich, wie sie sich bewegen, ihm zujubeln, denn er legt die richtige Musik auf, ihn wollen sie sehen, seine Musik wollen sie. Wunderschöne Träume eines 14-jährigen Jungen, die ihn zu einer Lüge verleiten, um ein Mädchen zu beeindruckend. 
So unschuldig, so normal und beschaulich beginnt die Geschichte. 

In gnadenloser, ehrlicher Schreibweise, die gleichzeitig die Sprache eines Teenagers wunderbar imitiert und trotzdem einen angenehmen Lesefluss ermöglicht, erzählt Lya Sanders die Geschichte, die mit einer einfachen Lüge beginnt, aber nicht dort aufhört, sondern den Protagonisten samt Leser immer weiter hinab zieht. 

Am Anfang staunte ich nur, welche Kniffe sich Martin einfallen ließ, um zu bekommen, was er wollte. Ungefähr ein Dutzend Mal wollte ich irgendwo zwischen die Zeilen packen, den Kerl an seinen Haaren heraus ziehen und ihn anschreien, etwas, das seine Mutter mehr als einmal versäumt hat. Und dann war ich nur noch fasziniert. Die Geschichte entwickelt sich schnell. Ohne Beschönigungen oder sich an Beschreibungen der Umgebung lange aufzuhalten, wird hier der Abstieg eines Teenagers beschrieben auf sehr direkte Weise. 

Am Ende ließ mich das Buch jubelnd, nachdenklich und wütend (nicht auf die Geschichte, aber um das näher zu erläutern, müsste ich spoilern :P) zurück. Ich bin ganz begeistert und froh, nach 2033 auch dieses Buch von ihr gelesen zu haben und freue mich auf mehr. 

Gesamt sieht das so aus (diesmal musste ich lange überlegen, immerhin hasse ich den Protagonisten, aber er ist sehr gut beschrieben, sonst hätte mich seine Person gar nicht bewegt, daher die Bewertung, wie folgt):



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