Direkt zum Hauptbereich

Rezension zu „Dem Horizont so nah“ von Jessica Koch

Eine Rezension zu diesem Buch zu schreiben, fällt mir richtig gehend schwer. Zum einen, weil es mich immer noch ganz in seinem Bann hat und ich kaum weiß, wie ich all diese Eindrücke zusammenfassen soll, zum anderen, weil es mich in seiner Gesamtheit so gepackt und begeistert hat, dass ich auf Anhieb gar nicht recht weiß, was mir alles gefallen hat. 



Zunächst dachte ich nämlich, dass ich es wohl nicht lesen würde. Es war auf meinem Kindle, aber wollte ich es lesen? „Wir wieder irgendein kitschiger Roman sein“, dachte ich, las aber dann doch rein. Wieviele Bücher gibt es, die einen gleich auf den ersten zwei Seiten fesseln? Dieses fiel darunter. Es begann geheimnisvoll, machte neugierig und hatte diesen düsteren Ton, der Gänsehaut verursachen kann. 
Dass es dann in die Ich-Erzählung wechselte störte mich gar nicht, denn der Ton änderte sich zwar, aber die Figur, aus deren Sicht alles beschrieben wurde, gefiel mir. Sie war keine heroische Heldin, kein Genie, sondern normal - wenn man so will, eigentlich der Inbegriff von Normal. Machte eine Ausbildung, traf sich mit ihrer besten Freundin, zog sich gerne hübsch an, lebte bei den Eltern. Der Sprung ins Spießige wäre ein leichtes gewesen. 
Aber dann begegnete sie Danny. Und da wurde so viel mehr aus ihr. Während die Protagonistin über das Leben lernte, was wichtig war, was nicht. Welche Sorgen begründet, welche nicht. Mit welchen Blick sie auf die Welt sehen musste, um mehr zu sehen, als das Offensichtliche, um mehr zu sehen als Labels, die man sich gegenseitig gab, um jemand anderen in der Gesellschaft zu kategorisieren, hatte ich das Gefühl, selbst das ein oder andere noch zu erfahren. Vor allem Ekel vor der Gesellschaft und ihrer kurzsichtigen, dummen Art! 

„Sie kategorisierten die Menschen nicht nach den Maßstäben der Gesellschaft, sondern nach ihren inneren Werten.“ 

Und dann passierte es. So wie Jessica sich in Danny verliebte, verliebte ich mich in diese Gemeinschaft, in die drei - Danny, Jessica und Christina - und verfolgte mit Spannung, aber auch mit einem Grauen ihre Geschichte mit. So außergewöhnliche Charaktere, mit ihren Stärken und Schwächen, die bereit waren, egal was kam, das Leben best möglich und in vollen Zügen zu leben. 
Ich lachte und weinte und am Ende heulte ich. 

„Eines Tages [...] wenn ich nicht mehr da bin. In dem Moment, in dem du dem Horizont nah bist, bist du dann auch mir nah...“ 


Die Schreibweise war leicht zu lesen, einnehmend und konnte gleichzeitig jede Stimmung gut und bildhaft in Worte fassen. Die Welt und ihre Figuren darin erwachten zum Leben. Gerade darum hat die Geschichte um Danny auch eine so große Wirkung. Gleichzeitig merkt man, dass hier Wissen dahinter steckt. Da wird keine Krankheit genannt, die dann als Schreckgespenst über den Figuren hängt. Da gibt es Falten, Details, Wissen, das all das, was geschieht, nur noch realer macht. 

Gesamt sieht es so aus: 



Kommentare

Beliebte Posts aus diesem Blog

😍 1. Lesenacht 😍

Ich habe noch nie an einer Lesenacht teilgenommen - aber wenn es sich anbietet, möchte ich es gerne ausprobieren! ☆so gespannt☆  Bookdemon  ist Schirmherrin über das Event, falls ihr also noch nichts heute vor habt, macht unbedingt mit! Es startet um 19 Uhr 😁  Ich werde wohl " Empire State " aus dem Papierverzierer Verlag lesen - und ihr?  20 Uhr - erste Frage 😍 Puh! Richtig genervt hat mich "Those broken Stars". Ehrlich, die dümmste Art Probleme zu schaffen, indem keiner miteinander spricht. 🙈 21 Uhr - zweite Frage, es geht weiter 😗 Also mich würde ein total verrückter Superheld in grellen Strumpfhosen und der obligatorischen engen, roten Unterhose darüber. Mit wehendem Umhang und abgefahrener, geflügelter Maske.  22 Uhr - dritte Frage 😏  Hm...was würde ich ändern. Der extrem sexistische Ton von Rex ist hart zu schlucken, aber gehört wohl so. Im Moment ist es noch hart zu durchschauen, was wirklich abgeht, der dü...

Rezension zu „The Plastic Magician“ von Charlie N. Holmberg

Die Reihe „The Paper Magician“ habe ich geliebt. Sie konnte mit so viel Herz und Fantasie aufwarten, dass sich mir gar nicht die Frage stellte, ob ich dieses Buch auch lesen würde: Ganz klar!  Leider ist es so, wenn man sich sehr auf eine Fortsetzung freut, dass man das Neue mit dem Alten vergleicht. Und bei diesem Vergleich schneidet dieses Buch nicht ganz so gut ab. Was die ersten drei Bücher ausmachte, waren eben diese unglaubliche Fantasie und diese tolle Story, die einfach etwas Anderes war, neu und kreativ und LeserInnen sofort mit auf ein Abenteuer nahmen. Die Magie war besonders und die Liebesgeschichte packte einen wirklich - und das sage ich als jemand, der bei Romantik meistens mit den Augen rollt!  Hier liegt eine schöne Idee zugrunde, doch der Plot ist nicht außergewöhnlich. An einigen Stellen war es sehr vorhersehbar, was geschehen würde. Sei es nun, wer sich als Bösewicht herausstellte oder wer der romantische Gegenpart werden würde. Da die Geschich...

Rezension zu „Phoenix - Tochter der Asche“ von Ann-Kathrin Karschnick

„Im Leben musst du Entscheidungen treffen, die dir nicht immer gefallen. Entweder entscheidet man sich für das Leben oder dagegen.“ Hamburg, in einer Zukunft, in der zwar Wesen wie Hexen, Dämonen und Phönixe existieren, die aber gejagt und gefangen werden. Erst erschütterte ein geheimnisvolles Experiment Europa, danach ein Krieg gegen Amerika. Übrig blieb ein zerstörtes, zerrüttetes Land, das jedoch in einer Macht seine Rettung sah: Die Saiwalo.  Doch die Phönix Tavi weiß es besser. Sie hat viele Jahrhunderte der Menschheitsgeschichte miterlebt und sie weiß, dass die Saiwalo nicht die großen Retter sind, für die sie sich ausgeben. Mithilfe ihres Zöglings Nathan versucht sie gegen diese Regierung vorzugehen - und gleichzeitig an einem Ort zu überleben, an dem ihre Art als Monster, als Seelenlose gejagt wird.  Die Idee alleine zog mich schon in ihren Bann. Magische Wesen, nur so ganz anders, als wir sie kennen. Dazu ein fast schon postapokalyptisches Hamburg und...