Montag, 16. Mai 2016

Rezension zu „Nebelring - Das Lied vom Oxean“ von Anna Moffey

„Zehn Jahre habe ich hoffnungsvoll an der Seite meines Vaters verbracht, im Sanatorium, da wo die Träume sterben.“ 


Mit diesen Worten beschreibt Zoe, die Protagonistin, aus deren Sicht die Geschichte erzählt wird, ganz gut, ihre Vorgeschichte. Ihr Vater wurde von einem Magier des Nebelrings angegriffen und mit Malwee, der Substanz, mit der diese zaubern, vergiftet. Es gibt kein Heilmittel, sein Zustand kann nur gleich bleiben oder sich verschlimmern, und so ist Zoe seit ihrem sechsten Lebensjahr an seiner Seite. Sie kennt nur das Sanatorium und wacht dort über einen Mann, den sie kaum kennt, den sie aber dennoch liebt, weil es ihr Vater ist. 
Zu ihrem 16. Geburtstag kommen aber ganz eigenartige Leute ins Sanatorium. Sie alle behaupten, sie wären Freunde ihres Vaters, nur dass sie einen Mann beschreiben, den Zoe nicht kennt. Er soll ein Aufstandskämpfer gewesen sein und nicht nur irgendeiner, sondern sogar ihr Anführer! Zoe will das alles nicht wissen, will kein Teil davon sein. Alles, was das Mädchen will, ist ein Gegenmittel gegen die Krankheit ihres Vaters zu finden. Aber dann geschehen Dinge, über die sie nicht bestimmen kann und plötzlich wird sie von Magiern der Silberakademie gejagt, die hinter ihr die Anführerin des Aufstandes sehen. 

Die Geschichte entfaltet sich nach und nach. Dem Leser wird Zeit gegeben, um die Charaktere kennenzulernen, bevor sie auf gefährliche Wege geschickt werden. Gerade Zoes Gedankengänge und ihre Charakterzüge werden sehr genau dargestellt und nicht immer macht sich das Mädchen damit sympathisch, aber gerade das finde ich sehr ehrlich und auch realistisch. Zoe ist nun einmal ein Mädchen, das nur das Sanatorium kennt, das sich verraten fühlt und eben auch negative Gefühle hat. Diese zeigt sie und nach denen Handelt sie eben manchmal auch, aber im Grunde versucht sie nur ihren Vater zu beschützen. Dieser Zug an ihr machte sie für mich sehr plastisch und auch interessant, denn so hat sie noch Spielraum zu der Heldin ihrer Geschichte zu werden und ich freue mich, ihr weiter auf ihrem Weg zu folgen. 

So wie Zoe werden auch die anderen Charaktere sehr genau dargestellt. Gerade Bess, der Junge mit den magischen Kräften, der ihr ans Herz wächst, oder Taik, der Geschichtensammler mit den eigenartigen Augen, sind ganz wundervoll vielschichtige Charaktere, die ebenfalls durch ihre Vorzüge, aber auch durch ihre Fehler auffallen und dadurch bestechen können. 

Es gab Momente, in denen ich innehalten musste, weil mir die Figuren schon so nahe waren und ihre Schicksale so ungerecht vorkamen. Das erste Mal bei 18%! Ich glaube, selten war ich in so kurzer Zeit so schnell in einer Geschichte und fieberte mit. 


Nicht nur die Charaktere sind bestechend, selbst bei den „bösen“ Magiern finden sich interessante Figuren, sondern die ganze Welt ist ein faszinierendes Ganzes. All die Geschichten, das Lied von Oxean und der Silberschlange, die Entstehung des Malwees und der alten Welt, sind Geheimnisse, die man lüften will. Dazu kommt die sehr fantasievoll gestaltete Umgebung, angefangen vom Berg, auf dem das Sanatorium steht, über ein verlassenes Dorf bis hin zu den tierischen Beschwörungen, die die niedlichsten Namen tragen (ich sage nur „Schneeflocke“). Und alles scheint in dieser Welt seinen eigenen Charme zu haben, seinen ganz eigenen Charakter, den man als Leser, ok, zumindest ging es mir so, mit jeder Zeile zu spüren bekommt. 

Gesamt sieht das so aus:






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