Direkt zum Hauptbereich

Rezension zu „All about the money“ von Felix A. Münter

Wie weit gehst du, wenn dein Leben in Trümmern liegt und du die Chance bekommst, es vielleicht wieder aufzubauen? Wieviele Risiken bist du bereit, auf dich zu nehmen?


Lucas ist ein Mann, dessen Leben eigentlich hätte in Ordnung sein sollen. Er hatte eine Frau, zwei Kinder und besaß ein Haus. Doch dann kam die Wirtschaftskrise und er verlor seinen Job. Er machte andere Jobs, drei Jobs, aber am Ende waren die Rechnungen höher, als sein Einkommen und die Mahnungen flogen nur so heran. Schulden, Kreditrückzahlungen, Kredithaie, die sich auf ihm stürzen würden und dann kommt es zum Äußersten: Wieder verliert er einen Job und die Bank will das Haus versteigern, seine Frau packt ihre Sachen und nimmt die Kinder mit sich. Sein Leben liegt in Trümmern. Doch dann findet er auf einer gestrandeten Yacht Geld, viel Geld, und eigentlich könnte ab hier sein Leben besser werden, alles könnte sich in Wohlgefallen auflösen, er könnte endlich einmal Glück haben, wenn nicht alles anders kommen würde. 

„Er verschuldete sich, um irgendwie zu überleben. Es war ein Tanz auf dem Drahtseil, ohne Netz und doppelten Boden. Bis heute. Denn heute war er gestürzt.“

Von der ersten Zeile an ist man als LeserIn mitten im Geschehen, verfolgt Lucas Absturz und erfährt mehr über den Mann. Er wird vorgestellt, schnell, präzise und auf eine Art, dass man nach dem ersten Kapitel schon das Gefühl hat, ihn zu kennen. Die Grundlage ist gelegt, um mit ihm mitzufiebern, ihn anzufeuern, die Hände vor die Augen zu schlagen und zu Hoffen, dass dieser Mensch, dieser unglaublich unglückliche Mensch, es doch irgendwie schafft, egal wie aussichtslos es erscheint. 
Geschickt wird diese Geschichte aus verschiedenen Perspektiven erzählt. Da ist Lucas, der mitten in diese Geschichte stolpert, die eigentlich nichts mit ihm zu tun hätte haben müssen. Dann ist da Byrns, ein Agent auf der Jagd. Und Machado, jemand, der Drogen für die Kartelle aus dem Süden in den Norden transportiert. Nur dass er sich verschätzt hat, dass es etwas schief lief und jemand sein Geld genommen hat, Geld, das er braucht, dringend braucht. 

Der Schreibstil ist angenehm und flüssig zu lesen. Er trifft den harschen Ton der Story sehr gut und wirkt sehr echt im Sinne von: er passt perfekt zu den Figuren und den Situationen, sodass man ihnen ihre Dialoge abkauft. Gleichzeitig wird die Umgebung plastisch und greifbar. 

Genauso nachvollziehbar sind die Kämpfe, Verfolgungsjagden und Entscheidungen, die die Figuren treffen. Selbst Lucas' Beweggründe werden genau erklärt. Nichts steht in der Luft, alles ist verankert und realistisch, so sehr, dass die Seiten nur so dahin fliegen. Man kann stellenweise nicht aufhören, weil man wissen muss, wie es weiter geht, was als nächstes passiert, wie die unterschiedlichen Parteien reagieren, handeln und sich auf die neuen Gegebenheiten einstellen. 

Fazit: Ein wirklich spannender, sehr gut durchdachter Thriller mit „Helden“ anderer Art. Es hat großen Spaß gemacht und bekommt eine eindeutige Leseempfehlung. 


Kommentare

Beliebte Posts aus diesem Blog

Rezension zu „Archon“ von Felix A. Münter

Reale, trockene Figuren, die mit Pragmatismus und Fachwissen an ihre Aufgabe gehen. Welche das ist? Sie sind die geheimste Abteilung der ESA, sie untersuchen die Phänomene auf unserer Welt auf der Suche nach dem Beweis, dass es mehr gibt, dass wir nicht alleine sind.
In Montenegro taucht ein geheimnisvoller Mann auf. Geschwüre auf seiner Haut. Eine eigenartige Kugel in der Hand. Als er schließlich nach Deutschland gelangt, zusammen bricht und die Mutationen voran schreiten, wird die Truppe um Michael Hoth gerufen und eine Reise startet damit. Zunächst nach Koblenz, dann, nach einem Eintauchen in die Bürokratie, geht es nach Montenegro und zu dem Ort, wo alles vor sich ging. Was sie finden? Ungeheuerliches! 
Detailliert wird das ganze Geschehen beschrieben. Von den Vorgängen in der Organisation bis hin zu den abenteuerlichen Situationen, die zu meistern sind. Besonders schön und plastisch wird die Umgebung gestaltet, sodass man meint, regelrecht eintreten zu können. Die Truppe um Hoth un…

Buchempfehlung

Ich weiß, das mache ich recht selten, aber nachdem ich mit diesem Buch fertig bin, kann ich kaum anders, als es euch ans Herz zu legen und das auf diesem Weg zu tun, nach dieser Lektüre, fühlt sich ziemlich eigenartig an.
Es geht um eine moderne Entwicklung, auf die Spitze getrieben und ich denke, es spricht viele Sorgen, aber auch Träume und Vorstellungen aus und es lässt einige Sachen, die wir nun mal tun, in der Zeit mit Facebook und Co., in einem ganz anderen Licht wirken.
Darum: Wer gerade nicht weiß, was er/sie als nächstes lesen soll oder wessen SUB gar nicht groß genug sein kann - lest Dave Eggers "Der Circle"!


Rezension zu „Black Blood - Part 1“ von Malum

Das Leben ist nicht leicht. Jede Nacht muss Jane ihre Schwester alleine zurücklassen, um Geld zu verdienen. Denn sie ist nicht frei und wird es noch einige Jahre nicht sein. Aber was blieb ihr übrig? Ihre Mutter ist tot, ihr Vater war ein brutaler Trinker und die Schwestern mussten fliehen. Doch dann wird alles noch schlimmer. Plötzlich fressen Menschen andere Menschen. Die Gesellschaft zerbricht und ein Kampf ums nackte Überleben beginnt. 
Die Geschichte wird jeweils aus der direkten Perspektive der Figuren erzählt. Wobei sehr viele Personen dabei eine Stimme erhalten und ihre Geschichten erzählen. Dabei erinnert das Ganze an „The Walking Dead“, denn der Kampf gegen die Untoten ist bald nicht mehr so zentral, viel eher legt das Buch den Fokus auf die zwischenmenschlichen Beziehungen und was mit den Menschen und ihren gesellschaftlichen Normen und Werten geschieht, wenn die Zivilisation untergegangen ist. 
Die Idee an sich ist recht spannend, auch der Plot an sich beinhaltet viel Potent…