Direkt zum Hauptbereich

Rezension zu „Die Endlichkeit des Augenblicks“ vom Jessica Koch

Selten hat mich ein Buch so berührt, wie „Dem Horizont so nah“, daher war es ganz klar für mich, dass ich auch dieses Buch lesen musste. Keine Autorin hatte es bisher geschafft, so unglaublich echte und emotional komplexe Figuren zu schaffen, die einen von der ersten Seite an ans Herz wachsen. 


In „Die Endlichkeit des Augenblicks“ lernt man Basti, Josh und Sam kennen. Der eine sitzt im Rollstuhl, der andere ist Depressiv und sie leidet an Verlustängsten - so könnte man die drei ProtagonistenInnen beschreiben und hätte damit nur die Oberfläche angekratzt. Denn da steckt noch soviel mehr dahinter. Woher nimmt Basti seine Lebensfreude? Was treibt Sam an? Und welche Dämonen jagen Josh, dass er sein Leben am liebsten aufgeben würde?

Auf Grundlage einer eigentlich einfachen Liebesgeschichte - Junge trifft Mädchen und verliebt sich in sie - werden hier komplexe, psychische Vorgänge näher beleuchtet. Warum sind wir, wie wir sind? Und was tun wir, um andere zu beschützen?

Der Schreibstil ist angenehm zu lesen. Wie auch zuvor und nicht anders zu erwarten, waren auch hier die Informationen recherchiert und tragen zu diesem realistischen, greifbaren Feeling bei. 

Bis 60% des Buches habe ich es verschlungen. Ich konnte mich nicht davon losreißen und die Seiten flogen nur so dahin. Doch dann - und deswegen kann ich dem Buch nur drei Sterne geben - wird es kitschig. Ich kam mir vor, als würde ich eine Tele Novela lesen. Die Handlung wird etwas vorhersehbar. Die Reaktionen auch. Die Dialoge sind so gewollt bedeutungsschwanger und dramatisch, dass ich sie teilweise überspringen musste. Sams Reaktion ist überzogen, ich konnte mir einfach nicht vorstellen, dass sie das machen würde - Unsicherheit hin oder her. Dazu kommen dann, zumindest für mich, zu religiös und spirituell angehauchte Szenen und das Ende hätte Hollywood alle Ehre gemacht. 



Vielleicht gehe ich zu hart mit dem Buch um, weil „Dem Horizont so nah“ eines meiner Lesehighlights war. Vielleicht hatte ich zu große Erwartungen. Ich sage auch nicht, dass es ein schlechtes Buch ist. Es ist lesenswert. Es wird für einige Stunden fesseln und an der ein oder anderen Stelle zum Nachdenken anregen. Es ist eben solide, nicht spitzenmäßig und nicht schlecht - eben in der Mitte. 

Kommentare

Beliebte Posts aus diesem Blog

😍 1. Lesenacht 😍

Ich habe noch nie an einer Lesenacht teilgenommen - aber wenn es sich anbietet, möchte ich es gerne ausprobieren! ☆so gespannt☆  Bookdemon  ist Schirmherrin über das Event, falls ihr also noch nichts heute vor habt, macht unbedingt mit! Es startet um 19 Uhr 😁  Ich werde wohl " Empire State " aus dem Papierverzierer Verlag lesen - und ihr?  20 Uhr - erste Frage 😍 Puh! Richtig genervt hat mich "Those broken Stars". Ehrlich, die dümmste Art Probleme zu schaffen, indem keiner miteinander spricht. 🙈 21 Uhr - zweite Frage, es geht weiter 😗 Also mich würde ein total verrückter Superheld in grellen Strumpfhosen und der obligatorischen engen, roten Unterhose darüber. Mit wehendem Umhang und abgefahrener, geflügelter Maske.  22 Uhr - dritte Frage 😏  Hm...was würde ich ändern. Der extrem sexistische Ton von Rex ist hart zu schlucken, aber gehört wohl so. Im Moment ist es noch hart zu durchschauen, was wirklich abgeht, der dü...

Rezension zu „The Plastic Magician“ von Charlie N. Holmberg

Die Reihe „The Paper Magician“ habe ich geliebt. Sie konnte mit so viel Herz und Fantasie aufwarten, dass sich mir gar nicht die Frage stellte, ob ich dieses Buch auch lesen würde: Ganz klar!  Leider ist es so, wenn man sich sehr auf eine Fortsetzung freut, dass man das Neue mit dem Alten vergleicht. Und bei diesem Vergleich schneidet dieses Buch nicht ganz so gut ab. Was die ersten drei Bücher ausmachte, waren eben diese unglaubliche Fantasie und diese tolle Story, die einfach etwas Anderes war, neu und kreativ und LeserInnen sofort mit auf ein Abenteuer nahmen. Die Magie war besonders und die Liebesgeschichte packte einen wirklich - und das sage ich als jemand, der bei Romantik meistens mit den Augen rollt!  Hier liegt eine schöne Idee zugrunde, doch der Plot ist nicht außergewöhnlich. An einigen Stellen war es sehr vorhersehbar, was geschehen würde. Sei es nun, wer sich als Bösewicht herausstellte oder wer der romantische Gegenpart werden würde. Da die Geschich...

Rezension zu „Phoenix - Tochter der Asche“ von Ann-Kathrin Karschnick

„Im Leben musst du Entscheidungen treffen, die dir nicht immer gefallen. Entweder entscheidet man sich für das Leben oder dagegen.“ Hamburg, in einer Zukunft, in der zwar Wesen wie Hexen, Dämonen und Phönixe existieren, die aber gejagt und gefangen werden. Erst erschütterte ein geheimnisvolles Experiment Europa, danach ein Krieg gegen Amerika. Übrig blieb ein zerstörtes, zerrüttetes Land, das jedoch in einer Macht seine Rettung sah: Die Saiwalo.  Doch die Phönix Tavi weiß es besser. Sie hat viele Jahrhunderte der Menschheitsgeschichte miterlebt und sie weiß, dass die Saiwalo nicht die großen Retter sind, für die sie sich ausgeben. Mithilfe ihres Zöglings Nathan versucht sie gegen diese Regierung vorzugehen - und gleichzeitig an einem Ort zu überleben, an dem ihre Art als Monster, als Seelenlose gejagt wird.  Die Idee alleine zog mich schon in ihren Bann. Magische Wesen, nur so ganz anders, als wir sie kennen. Dazu ein fast schon postapokalyptisches Hamburg und...