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Rezension zu „Das Licht der letzten Tage“ von Emily St. John Mandel


Diese Geschichte ist definitiv etwas Anderes. 

Zart und lyrisch wird eine Welt beschrieben, die den Untergang erlebte. Die Zivilisation brach zusammen, doch was bleibt übrig? Wie ist dann das Leben, wenn es die Welt davor nicht mehr gibt? 

Alles beginnt mit einem Theaterstück. Ein Schauspieler stirbt an einem Herzinfarkt. Ein ehemaliger Paparazzo und nun Rettungssanitäter versucht ihn zu retten, doch ist er chancenlos. Auf dem Heimweg dann der Anruf eines befreundeten Arztes: Die Georgianische Grippe ist weit mehr und weit gefährlicher. Flucht, rät der Freund. 

Gleichzeitig erfährt man von der Symphonie, einer reisenden Theater- und Musikergruppe, und ihren einzelnen Mitgliedern. Sie reisen durch das beinahe verlassene Amerika, von Dorf zu Dorf, immer die selbe Route, bis zwei Freunde verschwinden und ein eigenartiger Prophet ihre Gemeinschaft bedroht. 

Die Eindrücke werden sehr zart beschrieben. Es wird viel Wert auf die kleinen Dinge gelegt, einen Sonnenuntergang oder eine Melodie. Die Geschichte wird nicht linear erzählt, sondern in Sprüngen. Vor und zurück. Vor die Katastrophe, zum Leben der Figuren vor der Grippe. Zurück zu dem jetzigen Leben und Überleben. Erst nach und nach werden die filigranen Verbindungen sichtbar. Menschen, zusammengebunden durch ein vergangenes Leben, durch eine Comic-Reihe, durch Shakespeare. 


Obwohl es keine großen Spannungsbögen gibt, konnte ich das Buch nicht aus der Hand legen. Es war eine kleine, süße und schöne Reise in eine post-apokalyptische Welt, die trotz der Zerstörung Schönes und Zauberhaftes enthält. 


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