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Rezension zu „Physis“ von Sophie Hilger

Zunächst war ich vollkommen eingenommen von dem großartigen Schreibstil. Beinahe lyrisch nimmt er sich aus, gleichzeitig ist er aber sehr leicht und flüssig zu lesen. Gekonnt erschafft die Autorin eine wundervoll plastische Welt mit dreidimensionalen Figuren, die sofort das Interesse wecken. 



„Ich weiß, man ist nie böse, wenn man um sein Leben kämpft. Und nie gut, wenn man dafür tötet. Aber so einfach ist es nicht.“ 

Klappentext
Eine verheerende Ölkatastrophe hat die Wasserreserven auf der Erde stark dezimiert und eine Zeit der Einschränkungen und Angst beginnt. Inmitten des Chaos ist die toughe Systementwicklerin Emma Winter an einem bahnbrechenden Projekt beteiligt, welches die Wasserbestände der Welt wieder auffüllen soll. Dass sie dabei in eine übermächtige Verschwörung hineingeraten ist, bemerkt sie viel zu spät. Eine Gruppe Terroristen will das Projekt mit aller Macht verhindern. Doch dann beginnen die Grenzen zwischen Gut und Böse zu verschwimmen und vor Emmas Augen eröffnet sich eine neue, unbekannte Welt. 
Welches Geheimnis hütet der wortkarge Terroristenanführer Sean? Woher stammt die futuristische Ausrüstung der Männer? Und ist Emma bereit, für das Schicksal der Erde ihren moralischen Grundsätzen zu entsagen?

„Was Physis bedeutete wusste ich. Es war der Urzustand. Die Verfassung, in der unsere Erde wäre, wenn der Mensch nicht züchten, anbauen und brandroden würde. Die Gegebenheiten der Natur als Vorbild für den Menschen.“ 

Neben dem tollen Stil hat mich sofort die Protagonistin eingenommen. Die Welt war komplex strukturiert und die ganzen Informationen unterfütterten ein spannendes Geheimnis, das es zu lösen galt. Emma kann das Interesse der LeserInnen gleich wecken, das liegt sicherlich auch daran, dass sie sich nicht einfach in eine Schublade stecken lässt. Sie weist verschiedene Charakterzüge auf, die aus ihr eine spannende Figur macht, die nach und nach ihre Geheimnisse lüftet. 

Im Grunde gefiel mir das Buch wirklich ausgezeichnet. Nur mit dem Ende konnte ich leider nichts anfangen. Und ab hier heißt es dann wohl: ACHTUNG SPOILER!



Emma kam mir die ganze Zeit tough und unabhängig vor, doch als sie zu einer Gefangenen wird, verhält sie sich ziemlich passiv, doch das wäre nicht das Problem, immerhin ist sie keine Kämpferin. Was mich wirklich dazu veranlasst hat, das Buch erst einmal aus den Händen zu legen und die Augen zu rollen, war die Beziehung zwischen ihr und Sean - einer der Männer, die sie gefangen halten. Da werden die typischen, bedeutungsvolle Blicke gewechselt. Stumm erzählen sich die beiden ihre Geheimnisse und ach - Herzschmerz - sie kann ihn verstehen und unter seine harte Schale sehen. Mir kam es so vor, als wäre diese Beziehung irgendwie noch dazwischen gepresst worden, glaube aber, die Story hatte toll ohne dieses Klischee funktioniert. Auch konnte ich Emmas Entscheidung nicht ganz nachvollziehen, daher machte das actionreiche Ende mir weit weniger Freude, als ich mir erhofft hatte. 

Daher lautet mein Fazit: Eine geniale Idee verfasst in einem tollen, lyrischen Stil, deren Umsetzung ohne die erzwungene Love-Story makellos wäre. 

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