Mittwoch, 27. April 2016

Rezension zu "Die vier Reiche: Mission Herodes" von Patrick R. Ullrich

Rezensionen zu guten Büchern zu schreiben finde ich ja persönlich viel schwieriger als zu schlechten. Da ist alles viel greifbarer.
Nach richtig guten Büchern sitze ich meistens erstmal nur rum, Kindle oder Buch in den Händen, und starre vor mich hin, nicht ganz bereit zu glauben, dass es schon vorbei ist.
So ging es mir mit diesem Werk.



Ich bin schon lange Fan der Facebook-Seite, noch bevor ich das Buch gelesen habe. Ganz ehrlich, ich liebe die Status-Updates und nachdem ich einige davon lesen durfte, freute ich mich schon auf das Buch, denn die Chance bestand, dass es ebenso geschrieben ist, witzig, mit einer guten Prise schwarzem Humor und viel Authentizität.
Dazu kommt, dass ich die Idee einfach grandios fand. Fantasy, aber kein Kampf, der einfach in einer anderen Welt geschieht und keine Auswirkungen auf die unsere hat, sondern Fantasy, die sich mit der Realität koppelt und damit um so drohender wird.

"Und du siehst grässlich aus. Die Erde ruft nach deinen Knochen und 
ihre Bewohner warten auf dein Fleisch."
"Träum nur weiter, Baumgeist. Aber tu es leise."

"Wir haben ja öfter Tote hier, aber normalerweise kommen 
die nicht von selbst gelaufen. Wer ist denn dein freund?"

Wegen solchen Passagen konnte ich das Buch nur lieben! Und das sind nur zwei Ausschnitte, davon gibt es noch viel mehr.

Und jetzt habe ich noch gar nicht über die wunderbaren Charaktere gesprochen, sei es der Magier oder der König Feuerbart, seien es die Elfen, die Menschen und sogar die Bösen. Ich habe sie unweigerlich in mein Herz geschlossen, denn keiner war nur gut oder nur böse. Jeder hatte seine Macken, seine Eigenheiten und gemeinsam spannen sie dieses großartige Abenteuer. 
Wobei die Spannung an sich nicht so ist, dass ich mir die Fingernägel abkauen wollte - na gut, vielleicht am Ende -  aber ich meine über das gesamte Buch hinweg. Trotzdem konnte ich "Die vier Reiche" nicht aus den Händen legen, weil ich einfach wissen musste, wie es weiter geht und weil ich noch mehr in diese faszinierende Welt eintauchen und noch mehr in diesem großartigen Schreibstil lesen wollte. 

Daher sieht das gesamt, in schönen bunten Sternchen, wie folgt aus:


Samstag, 23. April 2016

Rezension zu "Rainbowland - Das Geheimnis der sieben Welten" von Johanna Wasser

Der Klappentext klang nett und so wanderte das Buch mal auf meine Wunschliste. 
Da ich Kindle Unlimited gerade ausprobiere, habe ich mir das Ebook geholt. 
Und nun habe ich das Gefühl, ich müsste mich bei diesem kleinen Juwel entschuldigen, denn ich habe es stiefmütterlich auf der Liste ausharren lassen, obwohl es gelesen werden wollte, obwohl es gelesen werden musste! 

Was passiert?
Annie spendet ihre Niere ihrem kleinen Bruder. Damit sollte alles gut werden, aber das Gegenteil ist der Fall. Sie fällt für 2 Wochen ins Koma und ihr Bruder liegt im Wachkoma. 
Und dann kommt auch noch ein neuer Schüler in ihre Klasse, den sie "Finsterling" tauft und der ziemlich eigenartig ist und auch noch in ihren mehr als merkwürdigen Träumen auftaucht. 
Doch gerade mit ihm zusammen macht sie sich auf die Suche nach Max, ihrem Bruder, und der Weg zu ihm  führt sie ins Rainwoland und noch weiter. 

Meine Meinung: 
Die Geschichte ist mystisch. Viele Fragen tauchen beim Lesen auf und nach und nach werden sie erst beantwortet. Das spornte mich zum Weiterlesen an. Außerdem sind die Charaktere sehr gut fassbar. Keine schablonenhaften Figuren, sondern Schüler, wie sie in München auftauchen könnten. Auch die Sub-Plots haben mir sehr gut gefallen. Die Geschichten rund um Annies Freunde, um ihre Mutter und der Familie Menke, Lios O-Mama und die Beziehungen, die sich entwickeln oder eben auch nicht. All das macht die Geschichte sehr greifbar und spannend. 
Nun zu dem, was mir weniger gut gefallen hat: Auch wenn es zur Mystik beigetragen hat, so hat es mich doch genervt, dass Annie einfach nicht redet. Sie hat eine Frage, aber anstatt sie zu stellen, schweigt sie. Es wird zwar erklärt, dass das wohl ein Charakterzug von ihr ist, aber auch die anderen Figuren reden wenig oder sprechen selten aus, was los ist. Manchmal wechseln die Kapitel so, dass man als Leser die Antwort nicht mitbekommt oder nicht erfährt, was gerade passiert. Das ist ganz nett, ab und zu, war mir etwas zu viel. 
Diese zwei Punkte machen das Lesen etwas mühsam, aber die Geschichte ist gut genug, sodass ich einfach darüber hinweggesehen habe und mich lieber weiter hab verzaubern lassen. 

Gesamt sieht das so aus: 



Donnerstag, 21. April 2016

Rezension zu "Me Before You / Ein ganzes halbes Jahr" von Jojo Moyes

Katzenvideos.
Normalerweise habe ich das nur, wenn ich wieder die besonders intelligente Idee hatte, einen Horrorfilm alleine zu sehen. 
Aber hiernach?
Definitiv Katzenvideos. 
Während die kleinen, flauschigen Viecher stolperten und mauzten, habe ich geheult wie ein Schlosshund und zwar 30 Minuten nachdem ich das Buch weggelegt habe. Als ich schon die letzte Stunde während des Lesens geflennt habe. Die Rezension schreibe ich einen Tag später und bin immer noch erschüttert.
Und dieses Bekenntnis kommt von jemanden, der sonst nicht sehr nah am Wasser gebaut ist und über die meisten romantischen Geschichten zynisch die Nase rümpft.



Was kann so schrecklich sein?
Tja...
Das Fiese ist, es entwickelt sich schleichend. Die Geschichte spielt sich so realistisch ab, ist so nahe am Leben (kein Sie-haben-sich-drei-Sekunden-gesehen-und-waren-verliebt-für-alle-Ewigkeit)  und beinhaltet so viele schwierige und kontroverse Themen, gemischt mit locker leichten Szenen und Dingen, die eben tatsächlich passieren können, dass ich einfach hineingesogen wurde. Jeder Charakter war nachvollziehbar und plastisch, auch wenn ich sie nicht alle mochte. Dazu kommt diese recht einfache, sehr direkte Art von Moyes zu schreiben (habe das Buch auf Englisch gelesen), dass ich keine Distanz mehr hatte und dem Ganzen vollkommen ausgeliefert war. 


Tja und als das Ende kam...
Nun, das wird jeder für sich sehen. 
Ich empfehle Taschentücher und das Lesen in einer ruhigen, privaten Umgebung, außer es macht euch nichts aus, im Bus oder Zug zu heulen. 


Achja, und Katzenvideos. Flauschige, süße Katzenvideos. 

Gesamt sieht es dann so aus:


Sonntag, 17. April 2016

Rezension zu "Coherent" von Laura Newman

Für dieses Buch eine Bewertung zu schreiben, ist irgendwie schwierig.
Warum?
Weil ich manche Sachen wirklich toll finde und manche so gar nicht.
Also schwierig. Aber jetzt versuche ich mal mein Bestes.




Was hat mir gefallen?
Fangen wir mit dem Cover an, das hat mich nämlich sehr angesprochen, sowohl die Farben, als auch die Gesamterscheinung.
Dann finde ich die Idee einfach klasse. Vom Klappentext her und alles im allen war die Geschichte sehr interessant. Ein Mädchen, das komische Fähigkeiten entwickelt. Eltern, die nur kurz danach sterben. Eine Organisation, die überall ihre Finger im Spiel hat, aber ominös sich im Dunklen versteckt. Drei Charaktere, die sehr gut nachvollziehbar waren und auch sympathisch. Ich mochte sie alle und wollte das Beste für sie. Dazu kommt eine Verfolgungsjagd in Europa.
Alles in sehr schöner, genauer Sprache beschrieben, in der vor allem Frankreich im ersten Teil wunderbar herausgearbeitet wird.
Klingt doch alles sehr gut, oder?
Ja, das dachte ich auch und zu Teilen hält das Buch, was es verspricht.

Mit einem tiefen Seufzen komme ich jetzt aber zu dem, was mir nicht gefallen hat:
Für mich persönlich gab es ein paar zu viele Anglizismen. So zum Beispiel "Ladys" und "News", statt Damen/Mädchen und Nachrichten. Sicherlich ist das Geschmackssache, aber ja so ist es nun mal.
Dann hat es sehr lange gedauert, bis es richtig los ging. Leider war das, was bis dahin passier ist, nicht so spannend, dass es mich richtig hineingezogen hat.
Außerdem gab es sehr viele Wiederholungen. Natürlich soll dem Leser klar werden, um was es geht und wie sich der Charakter fühlt, aber gerade am Anfang liest man den gleichen Inhalt sehr oft, was mühselig ist.

Also komme ich zu meinem Fazit:
Die Idee ist toll, leider die Umsetzung nicht so. Für Zwischendurch ist es gut zu lesen, aber es ist kein Favorit. Schade.

Gesamt sieht es dann so aus:


Mittwoch, 13. April 2016

*Trommelwirbel* Bitte um Aufmerksamkeit!

Haha, ich bitte kurz um einen Moment eurer Aufmerksamkeit!
Es dauert auch nicht lange, ihr müsst euch auch nur ein Bild ansehen, versprochen :P


Vor einiger Zeit habe ich bei einer Ausschreibung mitgemacht und habe es auch in die Anthologie geschafft. *freu*
Die Exemplare wurden bereits bei der Leipziger Buchmesse verteilt, also wer da war, hat sie vielleicht schon gesehen!
Und heute kamen meine an, 3 wunderschöne Exemplare <3
Ich liebe das Cover und der kaputte, gruselige Teddy über meiner Kurzgeschichte passt perfekt zum Inhalt. *schwärm*

*hust*
Okay, danke schön, jetzt dürft ihr wieder eures Weges ziehen :3

Sonntag, 10. April 2016

Rezension zu "Jamil" von Farina De Waard

*hibbel* *hibbel*
- obwohl, jetzt habe ich es durch und muss nicht mehr hibbeln, jetzt wurde meine Neugierde befriedigt, ich habe die unsägliche Spannung überlebt *mir auf die Schulter klopf* und nicht ein einziges Mal habe ich zum Ende gespickt, obwohl ich unbedingt wissen wollte, wie es ausgeht!


Okay, aber ich zäume gerade das Pferd von hinten auf, also spule ich mal auf Anfang:

Um was geht es?
Jamil lebt mit seiner Familie in Kas'Tiel, einer Hafenstadt, die das Pech hat genau zwischen zwei Königreichen zu stehen. Wegen einer Verlobung und einem Bündnis, das der Graue König verhindern will, wird die Stadt angegriffen. Fast alle sterben und Jamil kann sich nur mit Mühe und Not zusammen mit seiner Familie auf ein Boot retten. Sturm und eine raue Überfahrt kosten noch mehr Menschen das Leben. Gerade so schaffen es die wenigen Überlebenden und schlagen ihr Lager in einem neuen und fremden Land auf. Damit sollte Jamil in Sicherheit sein, aber da fängt erst sein Unglück an.
Er wird verraten und wird mit drei Pfeilen abgeschossen, er stürzt über eine Klippe und verbindet sich in diesem Moment nicht nur mit einem Dämon, sondern auch mit dem Geist des Hara-Baumes, den die Sukrani, das Volk, das bereits in diesem neuen Land lebt, anbeten.
Fortan muss Jamil nicht nur wieder genesen, sondern muss auch noch mit den zwei Geistern in seinem Inneren zurecht kommen. Und als wäre das nicht genug, wollen beide Völker ihn los werden, nur Ashanee hilft ihm und gerät dadurch selbst in Gefahr.

Ein böser König, ein vertriebenes Volk, Eingeborene, Geister, Schamanen und Dämonen, ein junger Held und eine Liebe, die vielleicht all diese Widrigkeiten nicht übersteht, daraus ist diese wunderbare Geschichte gesponnen.

Und ganz ehrlich, hätte mir jemand vor dem Lesen gesagt, dass der Held sich zunächst kaum bewegen kann und eigentlich nur an einen Baum gelehnt herum sitzt, hätte ich dieses Buch vielleicht irgendwann gelesen, aber sicherlich nicht sofort. ABER ich fand den Klappentext wahnsinnig vielversprechend und wurde nicht enttäuscht. Ich habe hibbelig weitergelesen, wollte unbedingt wissen, wie es weiter geht.

Die Figuren sind herrlich genau beschrieben und auch die ganze Umgebung entfaltet sich mit jedem Satz vor meinem inneren Auge. Ich bin ganz verliebt in Jamil und Asha.

Andere Bücher von Farina De Waard kannte ich noch nicht, obwohl ihre "Das Vermächtnis der Wölfe" Reihe schon länger auf meiner Wunschliste steht. Gerade ist sie unter die Top 10 geschossen.

Gesamt sieht es so aus:



Samstag, 9. April 2016

Lesenswert! Thema Malbücher, Weltuntergang und Herr der Ringe. Wie das zusammen passt?

Das ist mal keine Buch-Rezi und auch keine neuen Infos zu meinen Projekten, sondern ein Artikel, den ich gerne mit euch teilen möchte. Im Weitesten hat er auch etwas mit Büchern zu tun, mit denen, die man so hübsch ausmalen kann. Und warum zeige ich euch das?
Weil ich gestern in der Albertina war, einem Kunstmuseum, und danach, wie immer, habe ich mich im Shop umgesehen, auf der Suche nach einem neuen, informativen Buch über Kunst und allem, was dazu gehört.
Und was fand ich da?
Malbücher. Nicht eines oder zwei. Sondern ein riesiger Tisch war dem Ausmalen gewidmet. Hübsch sahen sie ja schon aus. Ich fand sie faszinierend. Das hatte ich das letzte Mal in der Grundschule gemacht. Aber da stand explizit "für Erwachsene" drauf. 
Natürlich hatte ich von dem Trend schon gehört, aber ich hab sie das erste Mal gesehen, in der Menge, in einem Museum. 
Tja und jetzt las ich das und fand, dass es sehr gut zu meiner Verwunderung passt und daher hier für euch zum selber lesen. :D 


Nazgûl und Malbücher
Geht Ihnen wahrscheinlich auch manchmal so: Seit einiger Zeit habe ich das Gefühl, dass irgendwas nicht stimmt. Ich meine, richtig nicht stimmt. Denn irgendetwas stimmt ja immer nicht: Despoten verstecken ihr Geld in Panama, Fußballer sind länger unkonzentriert, als das für das Ergebnis ihrer Mannschaft gut wäre, der Papst erlaubt die Schwulenehe für ehemalige Bischöfe doch nicht sofort, Politiker vergessen für einen Moment, der manchmal ein ganzes Interview dauern kann, alles, was sie vielleicht ohnehin nie gewusst haben, Autofahrer sind aggressiv, die öffentlichen Verkehrsmittel bringen einen trotz verfassungsrechtlicher Bedenken an seine olfaktorische Obergrenze, was weiß ich. Das meine ich nicht. Ich meine das Gefühl, dass etwas wirklich wirklich nicht stimmt. Am ehesten fühlt sich das an wie ein kurzes Ruckeln im Raum-Zeit-Kontinuum, unnatürlich laute Totalstille, die Ruhe vor dem Sturm, irgendetwas in der Art.
Vielleicht so, wie der Moment in „Herr der Ringe“, in dem die Bewohner von Mittelerde bemerken, dass Nazgûl im Anmarsch sind, „weder tot noch lebendig“, die Zombie gewordene Totalbedrohung der Existenz, empfunden als Stillstand der Zeit. Anzeichen gab es schon immer, denken wir nur an die Leaks, die der Blogger Johannes um 100 n. Chr. von Patmos aus an die sieben christlichen Redaktionen in Kleinasien geschickt hat. Dort kündigen unter anderem vier Reiter das Kommende an, der Sieger mit Bogen auf dem weißen Pferd, der Mann mit dem Schwert auf dem feuerroten, der Mann mit der Waage auf dem schwarzen und der Tod auf dem fahlen Gaul. In meinem Fall war es etwas weniger dramatisch, ich habe in mehreren deutschen Zeitungen zugleich gelesen, dass sich momentan Malbücher für Erwachsene besonders gut verkaufen. Malbücher. Für Erwachsene. Blumenfelder mit Maikäfern, Pferdeställe mit Fohlen, Hafer, Stroh, Katze, Hund und Pferdegacki. Kleinteiliger als für Kinder, sonst exakt gleich.
Ungefähr so habe ich mir das Ende der Zeiten immer vorgestellt: Nazgul, die ihren Todeshauch aus den Wolken zischen, das ganze Programm des Hiernonymus Bosch inklusive den nackten Menschen, die auf der scharfen Klinge eines Messers nach oben rutschen müssen, bei lebendigem Leib gut durchgeschmorte Säuglinge, und Erwachsene, die sich auf ihre Malbücher konzentrieren, damit nicht das Rot der Blüte mit dem Grün des Stängels kollidiert, denn das würde nicht sehr schön aussehen. Woher der kollektive Irrsinn kommt, weiß ich nicht. Vielleicht haben wir ja tatsächlich unser Sündenkonto überzogen und der Herr schickt uns Malbücher, weil der Klimawandel eine Sintflut nicht mehr hergibt. Auf Spiegel Online hab ich heute früh gelesen, dass sich der Nordpol gerade wieder einmal verschiebt, die Erde um ihre Achse zu ruckeln beginnt und irgendwie am Kippen ist. Das ist schon ein paar Mal passiert, einmal hat es dabei Amerika weit aus dem Süden an den Äquator verschlagen. Vielleicht kommt ja jetzt wieder alles ins Lot.

(Text von Michael Fleischhacker, NZZ.at